Wenn in einer ersten Klasse 8 Eltern sind, die in medizinischen Berufen arbeiten oder gearbeitet haben, sind das einmalige Voraussetzungen für ein Projekt, das Fragen der Gesundheit und der Wiedergenesung nachgeht.
Eltern einer ersten Klasse wurden in dem vergangenen Schuljahr bewusst nicht zu einem Bastel- oder Spielabend eingeladen, sondern zur Inszenierung von Klinikalltag, den jedes Kind so treffen kann.
Den Einblick in das sachbezogene, ernsthafte Arbeiten mit einer Kindergruppe konnten Eltern in Situationen miterleben, in denen sie selbst als Fachleute gefragt waren.
Die Kinder konnten zunächst Erfahrungen als Patient oder Patientin sammeln.
In einem zweiten Schritt gaben sie diese Erfahrungen an Kinder aus drei vierten Klassen als Arzt oder Ärztin weiter.
Zwei Mütter von 10 beteiligten Eltern (eine mit, eine ohne medizinische Fachausbildung), die aktiv am Projekt teilnahmen, fassten ihre Erlebnisse so zusammen:

Bericht von Frau Fischer:

Bericht über das Krankenhausprojekt der Klasse 1b am 1./2. April 2003  

Nachdem ich mich beim Elternabend selbst damit überrascht habe, mich freiwillig als „Augendoktor“ zu melden, kam kurz danach die Ernüchterung – ich habe doch gar keine Ahnung von Augen- und Ohrenklinik! Also war ich heilfroh, dass mir noch zwei andere Mamas ihre Hilfe anboten und wir uns zwecks Planung treffen wollten. Nach kurzer Zeit stand schon ein brauchbares Konzept, die Aufgaben waren verteilt und wir warteten gespannt auf den Dienstagnachmittag. Unsere anfänglichen Bedenken, die Kinder könnten die Chirurgie mit dem tollen Gipsdaumen und die Innere Abteilung mit Bett und Röntgenabteilung spannender finden, wurden schnell zerstreut, als die vier angehenden Doktoren bei uns saßen. Mit kugelrunden Augen und offenem Mund lauschten sie unseren Ausführungen und waren mit Feuereifer bei Seh- und Hörtests dabei. Schnell war auch geklärt, wer sich um welchen Bereich kümmern wollte und nach einer Kurzzusammenfassung der Aufgaben waren unsere Ärzte fertig ausgebildet.  Am nächsten Morgen um 8. 30 Uhr ging es pünktlich weiter. Nach kurzer Vorbereitung holten die neuen Ärzte ihre Patienten der vierten Klasse in deren Klassenzimmer ab und brachten sie in die Augen-/ und Ohrenklinik. Nach anfänglicher Unsicherheit – was muss ich jetzt überhaupt machen – war jeder Doktor schnell wieder in seinem Fachgebiet eingearbeitet  und nahtlos wurden die Patienten Dr. Vivienne und Dr. Fatima über Bienenstiche im Hals beraten, kamen zu Dr. Sven zum Sehtest und Dr. Erik testete mit Schwester Nicole die Ohren der Patienten. Wenn alle Untersuchungen erfolgreich abgeschlossen waren, wurden die Patienten mit abgestempeltem Augen-/ Ohrenpass in ihr Klassenzimmer zurückgeschickt und neue Patienten abgeholt. Um 10.10 Uhr waren die letzten Patienten versorgt und die vier Ärzte und die Krankenschwester durften völlig geschafft, aber glücklich in die wohlverdiente Pause. Und ich – ich habe mit zwei anderen Mamas eine Tasse Kaffee getrunken und mich gefühlt wie die Kinder – geschafft, aber glücklich!
Vielen Dank für ihr Engagement, Herr Braun, es war klasse!  
Viele Grüße Ute Fischer


Bericht von Frau Weingart:

Das neue Projekt der Klasse 1b hieß Klinik Pattonville...

Bei der Vorstellung des neuen Vorhabens der Klasse 1b, dachte ich sofort an Klinikbesichtigung, Klinikbesuch und Klinikführung im Ludwigsburger Klinikum, aber weit gefehlt: Unsere Klasse machte sich selber daran eine eigene Klinik in der Turnhalle einzurichten.
Es gab 5 Abteilungen: Ambulanz, Chirurgie, Innere, HNO und Augen.  

Die Kinder bereiteten sich mit vollem Eifer vor. Es wurden Briefe an die Eltern geschrieben, Koffer gepackt, Mut zugesprochen und schließlich und endlich die Klinik bezogen. Die Kinder und Eltern wurden erst auf dem 1. Pattonviller Ärztekongress begrüßt und mit selbst gemalten Bildern eingestimmt. Danach teilten sich die Kinder mit Hilfe von Herrn Braun in die Abteilungen selbst ein und nahmen ganz stolz ihre Doktornamensschilder mit. ... meine Abteilung war die Ambulanz. Ich hatte 3 Betten zur Verfügung und 3 kleine Patienten. Diese wurden dann fachmännisch versorgt durch 3 kleine Ärzte in großen weißen Kitteln und einer „Oberärztin“, nämlich ich. Die Verletzungen waren: Verbrennungen, Nasenbluten, Schürfwunde, Schnittwunde. Ich erklärte den Kindern die verschiedenen Methoden der Versorgung, wir übten kräftig Desinfizieren (Schon das Wort ist ja schwierig), steriles Abdecken, Verbinden, Salben, Klammerpflaster setzen, Blutungen stillen, Kühlen...... und die Kinder wechselten sich im Doktor- und Patient spielen ab.  

Am Schluss wussten alle genau Bescheid, was wann und wie zu tun ist und waren mächtig stolz über ihre Kenntnisse und neu erlernten Fähigkeiten – und das konnten sie auch.  Es hat mir riesig Spaß gemacht, zu sehen, wie begeistert die Kinder waren und wie sich Spiel und Spaß mit Lernen vermischt haben. Sie mussten sich auch anstrengen, denn am nächsten Tag wurden dann die 4. Klässler eingeladen als Patienten und unsere kleinen „Einserle“ waren nun selbst die Oberärzte... eine wichtige Aufgabe.  

Alles in Allem ein voller Erfolg und ein tolles Erlebnis.  
Gez. Anja Weingart